Das Eintauchen in die unberührte Natur und die unbeschreiblich schönen Panoramablicke bei Skitouren beeindrucken mich sehr“, schwärmt Guido Schiffer. Der Skiführer leitet im Skitourenzentrum Innerkrems die Ski- & Skitourenschule sowie den Sportshop Schiffer. „Mich hat schon immer fasziniert, auf Tiere und Natur Rücksicht nehmend, unberührte Bergregionen, die man im Winter sonst kaum erreicht, zu erleben. Purer Genuss ist es dann, im Tiefschnee im freien Gelände Schwünge talwärts zu fahren“, fasst Gerald Sagmeister seine Begeisterung fürs Skitourengehen zusammen. Seit über 30 Jahren Berg- und Skiführer, hat er die Alpinschule High Life in Klagenfurt gegründet und leitet den High Life Bergsportshop.
Unterschiede zur Piste
„Skitourengeher sind von unseren wunderschönen, unberührten Nockbergen begeistert. Besonders genießen sie es, auf den Touren abschalten zu können und den Kopf frei zu bekommen“, erzählt Schiffer. Trotz aller Begeisterung ist es wichtig, Wild- bzw. Wald-Schutzzonen sowie andere Verbotszonen unbedingt zu beachten. „Ganz wesentlich ist, im Gegensatz zum Pisten-Skifahren, dass im freien Gelände ausschließlich man selbst für die Sicherheit verantwortlich ist. Wichtig ist zu bedenken – Hilfe lässt im Notfall meist viel länger auf sich warten und Bergungen sind aufwendiger“, warnt Skiführer Schiffer. Jedenfalls sollte man, der im Notfall oft sehr hohen Kosten wegen, versichert sein.
Gutes skifahrerisches Können
Auf der Piste schafft man es als schwacher Skifahrer meist doch ins Tal, nicht so im Gelände. „Gut skifahren muss man können, bevor man mit dem Tourengehen beginnt“, stellt Bergführer Sagmeister klar. „Deutlich mehr Kondition für Aufstieg, Abfahrt und Reserve für Unplanmäßiges ist Grundvoraussetzung. Was Ausrüstung und Bekleidung betrifft, gibt es klare Unterschiede zur Piste. Aufstieg (fordernd, erhitzend) und Abfahrt (Kälte, Fahrtwind) bedingen, dass die Bekleidung sehr atmungsaktiv und trotzdem winddicht, vor allem modular aufgebaut ist. Wechselwäsche, zusätzliche Isolationskleidung und ein zweites Paar Handschuhe sind ratsam. Kleidung nach Zwiebelschalenprinzip lautet der Profirat. Die Schuhe haben bei sehr guter Passform (kein Reiben!) im Aufstieg beweglich, in der Abfahrt steif zu sein. Skier (Steigfelle werden bekanntlich auf die trockene, saubere Unterseite geklebt) kombinieren Leichtigkeit und Wendigkeit im Aufstieg mit guter Abfahrtsperformance (Tiefschnee, Harsch, Altschnee). „Ich rate zu Tourenski ab Mittelbreite 85 mm. Je breiter, desto mehr Auftrieb im Schnee. Die Länge variiert, von Körpergröße bis etwas darunter. Abfahrtsorientierte wählen 5 bis 10 cm über Körpergröße“, betont High Life-Chef Sagmeister. Zur Skibreite passende Pin-Tourenbindung (Aufstiegs- und Abfahrtsmodus) mit Stopper rundet das Setup ab. Um im Tiefschnee die Ski leichter zu finden, sind Tiefschneebänder ratsam. Verpflichtend sind Helm (Abfahrt) und Sicherheitsausrüstung – Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS), Schaufel, Sonde, Erste-Hilfe-Set und Biwaksack“, erklärt Bergprofi Schiffer. „Bei der Sicherheitsausrüstung wichtig ist, mit ihr umgehen zu können. Das muss man üben“, sagt Sagmeister. Die Innerkrems etwa bietet ein LVS-Suchfeld zum Trainieren und, wie auch der Falkert, einen Skitourenlehrpfad.
DIE EXPERTEN
„Skiabfahrten im Tiefschnee sind für mich purer Genuss.“
Gerald Sagmeister, staatl. gepr. Berg- & Skiführer, Bergsportfachhändler, High Life – Alpinschule & Fachgeschäft, Klagenfurt.
www.highlife.co.at
„Die Ausblicke, die man während einer Skitour hat, sind unbeschreiblich.“
Guido Schiffer, staatl. gepr. Skilehrer & Skiführer, Ski- & Skitourenschule, Sportshop Schiffer, Innerkrems.
www.sportschiffer.at | www.innerkrems.info
EXPERTENTIPPS
1. Grundvoraussetzungen
Gutes (Pisten-)Skifahr-Können ist nötig. „Beim Tourengehen wird man nicht zu einem besseren Skifahrer“, weiß der High Life Gründer. Auch wichtig: deutlich mehr Kondition als auf der Piste (Aufstieg und je nach Schneeverhältnissen, meist viel anstrengendere Abfahrt. Reserven für Unvorhergesehenes).
2. Sicherheitsausrüstung
Alte LVS-Geräte durch leistungsfähigere neue ersetzen. Am Saisonbeginn neue Batterien einlegen. Funktionsfähigkeit testen, checken, ob Software-Updates. Geräteeinsatz (LVS Suchfelder) trainieren. Schaufel, Sonde, Erste-Hilfe-Set, Biwaksack.
3. Tourenplanung
Vorab – gründlich planen! Wetter, Schneelage, Lawinensituation checken. Tour (Strecke, Dauer, Höhenmeter usw.). Immer Plan B bedenken. Karten (digital bzw. print) mitnehmen. Info an Vertrauensperson, wo man wie lange zu sein plant. Nie alleine ins freie Gelände.
Auf Tour – Gegebenheiten jeden Tag neu bewerten, etwa ein gestern unprobematischer Hang kann heute gefährlich sein. Natur- & Wildschutzzonen beachten. Nie strikt am Geplanten festhalten, flexibel sein, Alternativen haben, notfalls abbrechen.
4. Vorbereitung
Deutlich vor erster Tour – Ausrüstung auf Passform (Tourenskischuhe) und Funktion (Kleber der Felle. Ski- & Bindungsservice; dazu die Schuhe mitnehmen) prüfen.
Am Vorabend – Skibelag säubern, Auffellen & Fell-Abdeckfolie in Felltasche in Rucksack. Ausrüstung vorbereiten, kurz prüfen.
5. Kurse & Profi-Begleitung
- Skitouren-Neueinsteiger – Einsteigerkurs (Bergsportschulen bzw. Alpine Vereine). Eventuell die Ausrüstung erst einmal ausleihen. Etwa bei Sport Schiffer.
- Skitouren-Erfahrene – Perfektionskurse bzw. Tiefschnee-Abfahrtskurse oder einen Skiführer für eine Tour engagieren. Ziel: Können und/oder Sicherheitswissen auffrischen.
- Langjährige, Passionierte – LVS-Gerät prüfen/erneuern. LSV-Einsatz trainieren (LVS-Suchfeld). Nicht zu ambitioniert starten.
6. Versicherung
Prüfen, ob Unfall-Bergeversicherung UND Haftpflicht-Versicherung vorhanden. Sonst abschließen, am Einfachsten durch Mitgliedschaft bei Alpinen Vereinen.
Italien: Verpflichtend – LSV-Ausrüstung abseits der Pisten (Tourenskifahrer auch auf Pisten) und Haftpflicht-Versicherung (schriftlicher Nachweis!).
7. Skitouren mit Pistennutzung (Aufstieg und/oder Abfahrt)
Vorgaben der Seilbahnunternehmen und Schließzeiten unbedingt Folge leisten.
Skitouren – Basics & Know-how
- Skitourenfibel (€ 4,–) und Lawinenfibel (€ 5,–) – Österr. Kuratorium für alpine Sicherheit. www.alpinesicherheit.at
- Skitouren – Ausrüstung, Technik, Sicherheit von M. Stadler. Rother Bergverlag € 20,50 www.rother.de
- Ortovox Safety Academy Lab Snow – kostenloses Online Know-how. www.ortovox.com
- Alpine Vereine: Alpenverein www.alpenverein.at/kaernten | Naturfreunde www.kaernten.naturfreunde.at
- Skitouren-Infoplattform: www.kaernten.at/skitouren
- Tourenportal: www.touren.kaernten.at – Filter Skitour
- Berg- und Skiführerverband. www.kaernten.bergfuehrer.at
- Lawinenwarndienst: www.lawinenwarndienst.ktn.gv.at
- Skitourenführer Kärnten Süd bzw. Kärnten West – Zwei fundierte Führer mit je etwa 50 Touren. € 15,40 (West) bzw. € 17,40 (Süd), Rother Bergverlag www.rother.de
NEUEN SKITOURENLINIE
Premiere für Head
Crux heißt die völlig neu entwickelte Tourenski-, -bindungs- und -schuhlinie von Head. Crux-Tourenski (unisex) stehen in fünf Mittelbreiten (81 bis 105 mm) zur Wahl, als Pro-Modelle (leichter, für Ambitionierte) und Ski, die auf Einsteiger abzielen. Almonte heißt die erste Pin-Bindung (2 Modelle) von der Head-Tochter Tyrolia. Die Crux-Skischuhe sind bequem, leicht und in der Abfahrt top (zwei Herrenmodelle, eines für Damen).
HEAD – Crux Touring Ski mit Bindung Almonte ab € 910,– | Almonte Bindung ab € 430,– | Crux Touring Schuh ab € 700,–
www.head.com
BINDUNGEN SWISS-MADE
Super-sicher & komfortabel
Fritschi – der Schweizer Tourenbindungsprofi – überzeugt mit seiner neuesten Generation sehr. Höchste Sicherheit und beste Kraftübertragung stehen im Mittelpunkt. Drei Modelle gibt es: Xenic – leicht & puristisch. Vipec Evo – robust & universell. Tecton 13 –super-robust mit fixem Alpin-Fersenbacken, ideal für Freerider.
FRITSCHI – Xenic 10/7 € 449,95 | Vipec Evo € 549,95 | Tecton 13 € 599,95
www.fritschi.swiss
SKISCHUH-VIELFALT
Passform, Leichtigkeit, top in der Abfahrt
Leichte, bequeme Tourenskischuhe, die viel Beweglichkeit im Aufstieg und sehr gute Performance in der Abfahrt versprechen, gibt es zahlreiche. Top sind etwa die von Scarpa. Die aktualisierten Gea (Damen) und Maestrale (Herren) begeistern im Test restlos.
Wer für Skitouren (Pin-Bindung) und Pisten (Alpinski-Bindung) mit einem Schuh auskommen will, der im Aufstieg, im Gelände und auf der Piste sehr gut ist, greift etwa zu den Scarpa Quattro-Hybridschuhen.
SCARPA – Gea bzw. Maestrale € 700,– | Quattro (3 Herren-, 2 Damenmodelle) ab € 750,–
www.scarpa.com
MAXIMALE SICHERHEIT
Zum Gefunden werden & suchen
Mammut hat das Barryvox LVS-Gerät überarbeitet. Es ist noch kleiner und leistungsfähiger. Die Suche (70 m Suchstreifenbreite) wird noch schneller, effizienter und präziser, auch dank zusätzlicher akustischer Signale und spezieller Feinsuchführung.
MAMMUT – Barryvox S2 € 480,–
www.mammut.com
Pro IPS heißt das seit letztem Winter neue LVS-Gerät von Pieps. Es ermöglicht bis zu 80 m Suchstreifenbreite, noch genauere Ortung von Sendesignalen und sehr hohe Reichweite.
PIEPS – Pro IPS LVS-Gerät € 480,–
www.pieps.com
Diract Voice nennt Ortovox sein LVS mit Sprachnavigation. Die innovative Sprachführung während der Suche ist einzigartig. Top im Test.
ORTOVOX – Diract Voice € 360,–
www.ortovox.com
STÖCKE FÜRS GELÄNDE
Robust, längenverstellbar, große Teller
Stockspezialist Leki bietet zahlreiche Modelle (Carbon bzw. Alu) fürs Skitourengehen. Bequemer, nach unten verlängerter Griff, große Schneeteller, längenverstellbar und Falt- bzw. Teleskopsystem sind Standard. Sehr gut etwa der Sherpa (Carbon, Faltstock) und der Guide (Alu, Teleskop).
LEKI – Sherpa FX Carbon € 220,– | Guide 3 € 145,–
www.leki.com
JACKE & HOSE
Atmungsaktiv, belüftbar, robust
Midi-Shell nennt Karpos ein geniales wasser- und winddichtes Material, das robust und überaus atmungsaktiv ist. Es wird zu hochfunktionellen Skitourenjacken (2 Wege Zipp, Unterarmzipps u.v.m.) und -hose verarbeitet.
KARPOS – Midi Shell Jacket € 450,– | Midi Shell Pants € 390,–
www.karpos-outdoor.com