Lange Vorlauf- sowie Planungszeiten und gewaltige Investitionen, die auf eigenes Risiko lange vor der tatsächlichen WM-Vergabeentscheidung erfolgen mussten, sind eine der unbeachteten Facetten der Ski-WM 2025. Grund genug, Peter Mitterer, einen der Geschäftsführer der Hinterglemmer Bergbahnen, zu einem Bilanz-Gespräch zu bitten.

Seilbahnen International (SI): Von 4. bis 16. Februar 2025 gingen die FIS Alpinen Ski Weltmeisterschaften in Saalbach über die Bühne. Was waren aus Seilbahner-Sicht die größten zu bewältigenden Hürden dieses Mega-Events?

Peter Mitterer (PM): Die Vorbereitungszeit ist ewig lang. Bereits 2012 wurde begonnen. Etwa beim Umbau der Zwölferkogelbahn 2018/2019 sind die WM-Notwendigkeiten bereits eingeplant worden. Große Hürden waren die Behördenverfahren für die Pistenverbesserungen und zusätzlichen Schneeanlagen.

SI: Wie groß war der Mehraufwand, den die Seilbahnunternehmen zu stemmen hatten?

PM: Enorm. Der zusätzliche Beschneiungsaufwand liegt bei etwa € 2,5 Mio. Die zusätzlichen Präparieraufwendungen lassen sich mit etwa € 400.000,– bewerten. Dazu kommen € 330.000,– für zusätzliche Schneeerzeuger und Umbauten der Zwölferkogelbahn für die WM von etwa € 1,5 Mio.

 

SI: Gibt es einen Nutzen dieser Investitionen, der für den einzelnen Skifahrer spürbar ist?

PM: Die Grundbeschneiung am Zwölferkogel kann schneller erfolgen. Deshalb und wegen der fünf zusätzlichen Pistengeräte schaffen wir eine nachhaltig herausragende Pistenqualität.

 

SI: Durch all die Maßnahmen und die erfolgreiche WM sollte die Basis für weitere Rennen geschaffen sein?

PM: Es ist unser Ansinnen, dass Saalbach in den Weltcup-Zirkus mit Speedrennen einsteigen kann. Wir haben der Welt gezeigt, wie man eine WM organisieren kann. Deshalb hoffen wir, zukünftig Weltcuprennen austragen zu dürfen.

 

SI: Eine weitere Großinvestition, die bis zum WM-Winter 24/25 realisiert wurde, ist die Zwölferkogel-Nordbahn.

PM: Wir haben die Vorgängerbahn aus dem Jahr 1989 durch eine mit der Zwölferkogelbahn völlig identischen 10er-Kabinenbahn mit großer Transportleistung (2600 Personen pro Stunde) ersetzt. Die neue Bahn war während der WM sehr wichtig.

 

SI: Die Idee war, alle Bewerbe auf einem Berg zu konzentrieren, auf dem parallel zu den Rennen auch ungestörter Gäste-Skibetrieb stattfinden kann. Wie hat sich das bewährt?

PM: Unser Konzept „Ein Berg – alle Bewerbe“ hat bestens funktioniert. Die Wege sind kurz, verkehrstechnisch ist es ideal. Der Zwölfer hat als Berg die Funktion, den Spitzensport mit dem Breitensport zusammenzuführen, bestens erfüllt. Wir können auch an Renntagen unsere Gäste auf den Berg transportieren.

SI: Teil des Konzepts war es, den Skigästen mit Skipass ohne extra Eintrittskarte, zu ermöglichen, die Rennen von den Pisten aus mitzuverfolgen. Wurde das angenommen?

PM: Ja, sehr gut. Einerseits war es möglich, entlang der Rennpisten zuzuschauen. Andererseits gab es mehrere Public-Viewing-Bereiche (Mittelstation, Breitfußalm, Winkleralm). Bei der Mittelstation etwa waren jeweils 4.000 bis 5.000 Skifahrer live dabei.

 

SI: Damit Skifahrer aus Fieberbrunn und Leogang rechtzeitig zu den Rennen den Zwölfer erreichen konnten, wurde der Seilbahnbetrieb früher gestartet. Wie hat das funktioniert?

PM: Bestens. Alleine in Fieberbrunn gab es an Renntagen im Schnitt 2.500 Erstzutritte mehr. Das waren Skifahrer, die auf Skiern zum Zuschauen auf den Zwölfer gekommen sind.

 

SI: Überdies gab es die Fans, die an Renntagen extra ins Glemmtal angereist sind. Wie ist es gelungen, diesen Ansturm zu bewältigen?

PM: Wer öffentlich angereist ist, ist am Terminal Ost in Hinterglemm aus dem Bus gestiegen, um die letzten 900 Meter entlang der Fanmeile zum Zielgelände zu gelangen. Auch das hat sehr gut geklappt.

 

SI: Würde in Kürze wieder eine WM in Saalbach stattfinden, was würden Sie anders machen?

PM: Wir würden es wieder gleich machen, denn unser Gesamtkonzept ist bei Sportlern, Funktionären und Gästen sehr gut angekommen.