Schneeschuhwandern findet immer mehr Fans. „Die Einstiegsschwelle ist nieder, einfache Touren sind ohne spezielles Können bewältigbar und die Anziehungskraft der Natur ist groß“, nennt Christian Aubermann zentrale Gründe. Der Gailtaler ist Schneeschuh- und Winterwanderexperte bei Intersport Alpensport in Hermagor. „Die Kombination aus Schnee, natürlicher Stille, Klarheit der Luft, prächtiger Blicke und unberührter Naturlandschaft macht für mich und die meisten meiner BegleiterInnen den Reiz aus“, gerät Barbara Wiegele ins Schwärmen. Die Bergwanderführerin aus Finkenstein ist Schneeschuhexpertin. Wiegele führt Neueinsteiger in Kursen ins Schneeschuhwandern ein und vermittelt Ambitionierteren u.a. mit Risiken (Lawinen usw.) im freien, ungesicherten Gelände richtig umzugehen.

Flexibler Wintersport

Schneeschuhe als an die Schuhe geschnallte, flossenartige Ungetüme verwandeln tiefen, unberührten Neuschnee in sympathisch, romantischen Wander-Untergrund. Das verhilft zum ersehnten Naturgenuss auch weit abseits von präparierten Winterwegen, sinkt man doch mit Schneeschuhen deutlich weniger weit ein als ohne. Robuste Unterseiten (Zacken, Stahlspitzen, gezackte Profile u.ä.) geben soliden Halt. Während Winterwandern auf präparierten, markierten Wegen stattfindet, ist man mit Schneeschuhen nicht an Wege gebunden. Es ist, in Gegensatz zum Skitourengehen, auch in flacheren Regionen und dann, wenn es vielfach auf- und abwärts geht ideal. Ist keine durchgehende Schneedecke vorhanden kombiniert man Winter- und Schneeschuhwandern. Die Schneeschuhe lassen sich dabei problemlos, am Rucksack fixiert, mittragen. Ein weiterer Vorteil ist, dass es relativ leicht zu erlernen ist. Zentrale Profi-Tipps und schon kann es moderat losgehen. Wichtig zu wissen ist, dass gute Kondition und ausgeprägter Gleichgewichtssinn notwendig sind, um mit Schneeschuhen im Gelände Spaß zu haben. Denn Gehen mit Schneeschuhen (breiterer Schritt, im tiefen Schnee höhere Schrittführung) ist auf jeden Fall anstrengender als Winterwandern, dafür aber auch viel erlebnisreicher.

DIE EXPERTIN & DER EXPERTE

„Schnee, Stille, klare Luft und unberührte Natur reizen mich am Schneeschuhwandern.“

Barbara Wiegele ist Bergwanderführerin & Schneeschuhspezialistin aus Finkenstein. Schneeschuhwanderkurse auf Anfrage.
www.bergbaumblume.at

„Robuste, wasserfeste Sommer-Bergschuhe eignen sich gut zum Schneeschuhwandern.“

Christian Aubermann ist Schneeschuh- und Winterwanderexperte bei Intersport Alpensport (Hermagor, Tröpolach, Nassfeld, Weissensee).
www.alpensport.at

TIPPS DER PROFIS

1. Wahl des passenden Geländes

„Einen präparierten Winterwanderweg mit Schneeschuhen zu gehen ist, außer es liegt sehr viel frischer Schnee, nicht das, was das Schneeschuhwandern ausmacht“, erklärt Barbara Wiegele. Vielmehr geht es darum, dass man im tiefen, wenig verspurten Schnee unterwegs ist.

2. Tourenplanung

Während man sich beim Winterwandern auf markierte Wege verlassen kann, muss man mit Schneeschuhen seine Tour selbst planen. Wetter-, Schneelage und Lawinensituation sind dabei zentral. „Gute Tourenplanung (Route samt Steilheit – nicht über 20 Grad Hangneigung usw.) ist im Winter noch wichtiger als im Sommer“, betont die Finkensteinerin.

3. Profi-Einführung

Zwar gilt, wer gehen kann, kann auch Schneeschuhwandern. Doch sind Tipps und Tricks wichtig, damit es vom ersten Schritt an lässig ist. Die Schrittführung etwa muss breiter, aber nicht zu breit und die Schrittlänge soll nicht zu groß sein. Auch der Einsatz der Steighilfe fällt mit Expertenunterstützung leichter. Beim Gelände raten Profis anfangs eher flacher als steiler unterwegs zu sein und das Gehen in Schräglagen zu vermeiden.

4. Winter ist nicht gleich Sommer

„Im Winter dauern Touren in der Regel länger“, weiß Wiegele. „Eine im Sommer unproblematische Route kann im Winter gefährlich sein“. Die zur Verfügung stehende Zeit mit Tageslicht ist viel kürzer. Deshalb kann die Mitnahme einer Stirnlampe sinnvoll sein. Auch die Kälte, etwa wenn man unplanmäßig länger nicht in Bewegung ist, wird ohne Isolationskleidung schnell zum Problem.

5. Schutz- und Ruhezonen beachten

Größte Rücksicht ist auf die Wildtiere und deren Schutz- bzw. Ruhezonen zu nehmen. Denn eine einzige Flucht raubt ihnen so viel Energie, wie sie sonst während einer Woche zum Überleben verbrauchen. Auch Waldschutzzonen usw. sind zu beachten.

AUSRÜSTUNG & CO

Während als Ausrüstung beim Winterwandern Stöcke und Spikes für Halt auf rutschigem Schnee und Eis reichen, braucht es beim Schneeschuhwandern deutlich mehr. Will man erst herausfinden, ob man Spaß daran hat, ist ein Schneeschuh-Schnupperkurs mit Leihmaterial ratsam.

 

Schneeschuhe, Schuhe & Spikes

„Vorab ist es wichtig zu wissen, welche Touren man unternehmen will“, weiß Christian Aubermann. „Ich rate Einsteigern zu Allround-Schneeschuhen, die nicht unhandlich groß sind“, lautet Barbara Wiegeles Tipp. „Wir empfehlen für Einsteiger die universell einsetzbaren Tubbs Schneeschuhe“, pflichtet ihr Aubermann bei.
Schuhe, um Schneeschuhe aufzuschnallen, sollten über-knöchelhoch, wasserabweisend und robust sein, damit die Bindung nicht auf den Fuß durchdrückt. „Stabile, wasserfeste Bergschuhe aus dem Sommer kann man gut verwenden. Überdies gibt es Wintermodelle, die fürs Winter- und Schneeschuhwandern gemacht sind“, betont der Sportfachhändler. Für Schneedichtheit zwischen Schuh und Hose sorgen Gamaschen (in der Hose integriert oder extra).
Ergänzend mit auf Tour, etwa für schneefreie, sehr eisige Wegstrecken, haben sich Spikes (klein packbar und leicht), wie sie auch ideal beim Winterwandern sind, sehr bewährt.

Stöcke & Rucksack

„Längenverstellbare Stöcke, ob zum Falten oder Teleskopmodelle (2- oder 3-teilig), aus Alu oder Carbon, mit nach unten verlängertem Griff und großen Schneetellern braucht man“, weiß Christian Aubermann.
Rucksäcke: Nicht zu klein (zumindest 25 Liter) und robust (Schnee, Zacken der Schneeschuhe). Außen Schneeschuh-Fixiermöglichkeit (ideal an der Rückseite).

Bekleidung

Winter-Sportkleidung im Zwiebelprinzip ist Standard. Wechsel- sowie Isolationskleidung (Jacke und kurze Überhose bzw. Rock) sowie Ersatzhaube gehören in den Rucksack. Handschuhe sollten nicht zu dick, aber auch nicht dünn sein. „Wir haben beste Erfahrungen mit Handschuhen, die die Möglichkeit bieten, bei Bedarf eine Fäustlingshülle über die Handschuhfinger drüberzustreifen“, sagt der Sporthändler.

Basics

Erste-Hilfe-Set & leichter Biwaksack. Geladenes Smartphone, körpernah (warm) getragen & Powerbank. Essen und Trinken (warm, in isolierter Flasche). Karten – digital (Offline-Karten im Handy) oder print.
Ratsam: Berge- und Haftpflichtversicherung. In Italien im Gelände Pflicht (samt Nachweis).

Extremer

Bei extremeren Touren (nur für Fortgeschrittene ratsam) braucht es die gesamte Lawinen-Sicherheitsausrüstung und Erfahrung im Umgang damit.

PRODUKT-TIPPS

Getestet und kritisch hinterfragt von Oliver Pichler

 

SCHNEESCHUHE

Ein Grundprinzip, viele Lösungen und Modelle

Die Auswahl an Schneeschuhen ist enorm. Die Preisspanne groß. Sechs Top-Lösungen, von denen es Damen- & Herrenmodelle in mehreren Längen gibt:

Vollends überzeugt haben uns die robusten Tubbs Kunststoff-Schneeschuhe. Lange gezackte Stahlschienen unten, Stahlspitzen hinten und große Zacken an der Bindung. Zwei Bindungssysteme: Boa-Drehverschluss bzw. einfaches Rechts-Links-Zugsystem.
TUBBS – Flex VRT (Boa) € 320,– | Flex ALP € 290,–
www.kochalpin.at

Ein super-robustes und ein super-leichtes Modell, beide mit Boa-Bindung, bietet Atlas. Robust: Steifer Alurahmen (Kunststoffbespannung), seitlich & an der Spitze gezackt. Leicht: Kunststoff mit robusten, gezackten Aluschienen, die Halt geben.
ATLAS – Range MTN (robust) € 330,– | Helium MTN (Kunststoff) € 295,–
www.kochalpin.at

Ein Rahmen-Bindungssystem, das mit Boa-Verschluss (Instinct) steuerbar ist, verbaut in zwei Kunststoffmodelle, bietet TSL. Ein Steiferes – top im Gelände. Und ein Flexibles – sehr komfortabel auf härterem Schnee; im weichen, tiefen Schnee im Test nicht ganz ideal.
TSL – Highlander Instinct (steifer) € 310,– | Symbioz Hyperflex Instinct (flexibler) € 340,–
www.tsloutdoor.com

SPIKES

Die logische Ergänzung

Spikes sind für Winterwanderer (kein Rutschen auf schneeglatten, eisigen Wegen) Pflicht. Auf Schneeschuhtour sind sie perfekt für lange eisig-harte Wegteile. Leicht & klein packbar. Ideal sind die Snowline Light-Spikes (12mm Zacken, bequem überziehbar).
SNOWLINE – Spikes Light € 55,–
www.snowlinespikes.com

SCHUHE FÜR DEN WINTER

Robuste Sohle, höher und warm, für Damen und Herren

Ein beispielhaft guter, komfortabler Winterschuh mit speziell griffiger, rutschhemmender Sohle ist der warme, multifunktionale, wasserdichte (Gore-Tex) Renegade Ice von Lowa.
LOWA – Renegade EVO Ice € 270,–
www.lowa.com

Gemacht für Wintereinsätze (Wandern, Schneeschuhe) ist die Polar-Version des Rush von Scarpa. Er ist warm (Primaloft), komfortabel, wasserfest (Gore-Tex) und robust.
SCARPA – Rush Polar GTX € 260,–
www.scarpa.com

GAMASCHEN

Damit kein Schnee eindringt

„Die Gamaschen sollten mit einem Zipp oder Klettverschluss öffen-/schließbar sein, damit man sie jederzeit an- und ausziehen kann. Wichtig ist auch ein Riemen, der unter der Schuhsohle durchgeht und ein nach oben rutschen verhindert“, betont Experte Aubermann.
VAUDE – Albona II. Gamaschen € 40,– | Watzmann III Gamaschen € 55,–
www.vaude.com

BLACK DIAMOND – Alpine Gaiter € 100,– | Apex Gaiter € 90,–
www.blackdiamondequipment.com

RUCKSÄCKE

Schneeschuh-Befestigungsmöglichkeit ist Pflicht

Bei Rucksäcken zum Schneeschuhwandern ist zentral, dass man einen wählt, der außen sehr robust (Schnee/Wasser und Zacken von Schneeschuhen) ist. Wichtig: Groß genug (ab 25 Liter), damit man die Schneeschuhe gut an der Außenseite (nicht seitlich, der Armbeweglichkeit wegen) fixieren kann. Komfortables Tragesystem (direkt am Rücken, ohne Belüftungsabstand). Extra Fach für die Sicherheitsausrüstung. Im Test top waren:
DEUTER – Freescape Lite 26 (24 SL) € 190,– | Rise 34+ (32+ SL) € 200,–
www.deuter.com

BCA – Stash 30 Backpack € 170,– | Stash 40 Backpack € 190,–
www.backcountryaccess.com